Wahrheitsermittlung

montalk.net » 12 November 18

Dieser Artikel beschreibt die logische Vorgehensweise, mit der ich die meisten Artikel auf dieser Seite verfasse.

Diese Vorgehensweise beruht auf zwei Axiomen:

  1. Wahrheit ist nicht subjektiv.
  2. Wahrheit widerspricht sich nie.

Weil Wahrheit nicht subjektiv ist, sind manche Ideen objektiver als andere. Das bedeutet, dass egal wie Ihr Weltbild aussieht, dieses immer verbessert werden kann, um objektiver zu werden. Damit zeigt sich, dass es tatsächlich etwas gibt, wonach sich zu streben lohnt.

Die Idee, dass Wahrheit sich niemals widerspricht, ist ein sehr mächtiges Axiom. Lügen können auch intern konsistent sein, aber eine Mischung aus Wahrheit und Lügen wird Widersprüche zeigen. Sie können dieses Prinzip verwenden, um herauszufinden, was wahr und was falsch ist, und zwar folgendermaßen:

Es ist schwer zu sagen, ob eine einzelne Idee wahr oder falsch ist, genauso wie es schwierig ist zu erkennen, zu welchem von zwei ähnlichen Puzzles ein einzelnes Puzzleteil gehört. Eine große Sammlung sich nicht widersprechender Ideen wird jedoch zeigen, ob die gesamte Sammlung wahr oder falsch ist. Je größer die Sammlung ist, desto einfacher ist dies zu sehen. Sie beginnen mit einem mehrdeutigen Puzzleteil, finden andere, die dazu passen, und schon bald können Sie erkennen, welches der beiden Rätsel Sie zusammengefügt haben.

Eine weitere Analogie ist die Suche nach Gold. Sie beginnen mit einer großen Menge Material, das sowohl Schlamm als auch Goldbrocken enthält, dann schütteln Sie das Sieb und lassen den Schlick wegfallen. Hier zeigt sich, wie wichtig ununterbrochenes Nachdenken, Lesen und Diskutieren großer Mengen neuen Materials ist, bis dieses durch Intuition und kritisches Denken so sortiert oder gefiltert werden kann, dass die Wahrheit zum Vorschein kommt.

Eine solche Untersuchung erfolgt am besten mit Stift und Papier (oder einem Skizzenbuch), um intuitive Gedanken für eine Zergliederung zurechtzulegen, die Möglichkeiten zu überschauen, ein Brainstorming durchzuführen und daraus abgeleitete Schlussfolgerungen in präzise formulierte Aussagen zu destillieren, welche die Antwort „festnageln“. Was als Frage, Rätsel, Paradoxie oder Mehrdeutigkeit beginnt, kann auf diese Weise zu voller Klarheit gebracht werden.

Bei der Analyse einer Theorie, sei dies etwas anderswo Gelesenes oder etwas gerade Eingefallenes, ist es wesentlich besser, danach zu suchen, was daran falsch ist, als danach, was richtig ist. Das liegt daran, dass unendliche Debatten toben können über die tausend Fakten, die eine einzige Lüge unterstützen, aber niemand gegen eine einzige Tatsache, die tausend Lügen widerlegt, argumentieren kann. Die Selbst-Getäuschten verbringen ihr Leben damit, Gründe zu finden, um ihre Täuschungen zu rechtfertigen, und sie finden Gründe zuhauf… aber sie bleiben getäuscht, nur weil sie sich weigern, die fatalen Fehler in ihren Annahmen oder Argumenten anzusehen. Suchen Sie deshalb nach diesen Fehlern gleich zu Anfang und vermeiden Sie eine lebenslange Selbsttäuschung.

Bedenken Sie, solange Ihre Weltsicht in sich konsistent ist, ist sie höchstwahrscheinlich ganz und gar richtig oder ganz und gar falsch. Kombinieren Sie dieses Prinzip mit dem unten beschriebenen fünfstufigen Prozess, und Sie erhalten eine effektive Methode der Wahrheitsprüfung. Der Vorgang der Wahrheitsfindung besteht aus einem ständigen zyklischen Wechsel zwischen dem Sammeln von Material, dem Formulieren von Theorien, dem Ausarbeiten von Inkonsistenzen und dem Sammeln von mehr Material.

Am wichtigsten ist jedoch, dass die Wahrheit immer sowohl von der Logik als auch von der Intuition bestätigt wird. Logik ohne Intuition oder Intuition ohne Logik sollte niemals zur Bestimmung von Wahrheit verwendet werden. Sie müssen im Tandem angewendet werden. Wenn es einen Konflikt zwischen Logik und Intuition gibt, überprüfen Sie Ihre logischen Annahmen. Verwenden Sie die Intuition, um zu führen und die Logik, um zu prüfen.

Der Prozess läuft folgendermaßen ab:

1) Sammeln Sie neue Ideen aus Kontemplation, Beobachtung, Diskussion oder Lesestoff. Wählen Sie daraus dann ein Rätsel, einen Widerspruch, eine Reihe von Beobachtungen oder sonst etwas aus, das erklärt oder gelöst werden muss.

2) Um eine gute Theorie zu erstellen, die all dies erklärt, beginnen Sie mit der unbegrenzten Menge aller Möglichkeiten. Das heißt: alles geht, keine Idee ist zu lächerlich. Nutzen Sie Ihre Intuition, verwenden Sie Vermutungen und Schätzungen.

3) Wenn Ihnen Ideen einfallen, nutzen Sie Ihr kritisches Denken, um alles zu eliminieren, was in sich widersprüchlich oder absolut unmöglich ist. Suchen Sie nach Löchern in diesen Ideen und versuchen Sie, diese abzuschießen.

4) Wählen Sie aus den verbleibenden kugelsicheren Theorien diejenige Theorie aus, die…

  • alle Fakten erklärt,
  • diese Fakten besser als jede andere Theorie erklärt,
  • Tatsachen erklärt, die frühere Theorien nicht erklären konnten,
  • logisch konsistent ist und keine inneren Widersprüche hat,
  • einen Sinn ergibt
  • und sich intuitiv richtig anfühlt.

5) Die Theorie ist es wert, beibehalten zu werden, wenn…

  • sie Dinge voraussagt, die später durch Beobachtung bestätigt werden
  • und Sie Übereinstimmendes aus anderen unabhängigen Quellen finden.

6) Wenn Ihnen etwas begegnet, das diese Theorie in Frage stellt, dann…

  • prüfen Sie, ob dies wirklich eine Infragestellung ist, oder nur ein trügerisches Paradoxon, das auf reinen Annahmen oder einer falschen Perspektive beruht,
  • prüfen Sie, ob diese Infragestellung überhaupt stichhaltig – oder ob sie in sich widersprüchlich und voller Lücken ist,
  • ändern Sie die Theorie, um die neue Herausforderung zu meistern
  • oder entwerfen Sie eine völlig neue Theorie, die alles eleganter erklärt als die alte.

Dies ist das Gegenteil des Vorgehens in Wissenschaft und Mathematik, das mit Axiomen beginnt und auf ihnen aufbaut. Das Problem bei dieser Methode ist, dass sie mit einer sehr begrenzten, endlichen Menge anfängt und wie ein Stalagmit nach oben kriecht. Wenn die Annahmen oder Axiome falsch sind, ist alles, was darauf aufbaut, fehlerhaft. Außerdem kann ein solcher Prozess keine Schritte überspringen, da er immer vom Status Quo überprüft werden muss, um zum nächsten Schritt überzugehen. Er kann keine Sprünge des Glaubens oder der Logik machen und daher keine Paradigmenwechsel vornehmen. Es ist ein unflexibler Prozess, der definitiv seine Vorteile hat, wenn es um Anwendungen mit hohem Risiko geht, die viel Sicherheit und Gewissheit erfordern. Wenn es jedoch darum geht, neue Wege zu beschreiten, ist er unglaublich langsam. Jegliche Kreativität in diesem Prozess geschieht nur in der Bildung der grundlegenden Axiome oder in Zufällen, die sich auf dem Wege ereignen.

Die in diesem Artikel beschriebene Vorgehensweise beginnt mit einem unendlichen Set und stutzt weg, was nicht passt. Dies bedeutet, dass es nicht notwendig ist, einen logischen Abgrund zu überspringen, da wir uns von der anderen Seite nähern. Es ist viel einfacher, eine Brücke zu bauen, wenn sich bereits jemand auf der anderen Seite befindet. Außerdem: sobald eine radikale Idee durch diesen Prozess bestätigt wurde, ist es viel einfacher, rückwärts zu arbeiten und den Abgrund logisch zu überbrücken. Das Zusammenfügen von Ideen und das Aussortieren von Wahrheit aus Lügen erfordert Kreativität bei jedem Schritt, daher ist dies die beste Methode, um rasch Erneuerungen zu erzielen.

English original posted by montalk · ca. 2008 | German version by peter 23 Dec 2018

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